Davos: Vom Walserdorf zum globalen Treffpunkt von Kultur und Wirtschaft
Von der Walser-Siedlung zum Weltkurort
Obwohl das Tal seit der Bronzezeit durchzogen wurde, erfolgte die dauerhafte Besiedlung erst im Hochmittelalter. Zunächst wanderten Rätoromanen aus dem Albulatal und dem Engadin ein; Ortsnamen wie Davos (1213 als Tavaus belegt) zeugen noch heute von dieser Schicht. Um 1280 siedelten die Freiherren von Vaz Walser Kolonisten an und gewährten ihnen im Lehensbrief von 1289 umfassende Selbstverwaltungsrechte. Davos entwickelte sich zur grössten Bündner Walsersiedlung, begründete 1436 den Zehngerichtebund und schloss sich 1526 der Reformation an. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts lebte das Bauerndorf vorwiegend von Viehzucht sowie Blei- und Zinkerzabbau.
Die Entdeckung der Höhenluft
1853 entdeckten Alexander Spengler und später Willem Jan Holsboer das wohltuende Klima der erregerarmen Höhenluft, das besonders für Tuberkulose-Kranke heilsam ist. Am 8. Februar 1865 trafen mit Dr. Friedrich Unger und Hugo Richter aus Deutschland die ersten Wintergäste ein. Sie kurten auf Heuschlitten und eröffneten damit die Ära des Wintertourismus. Richter, selbst von der Krankheit geheilt, blieb in Davos, heiratete eine Einheimische und gründete 1881 die Davoser Zeitung.
Literarischer Zauberberg und Künstlerkolonie
Während in Europa die Tuberkulose wütete, galt Davos als Oase der Gesundheit. Thomas Mann verarbeitete die Berichte seiner Frau über das Leben im Waldsanatorium in seinem Roman «Der Zauberberg» (1924). Das Werk machte Davos weltberühmt und prägte das Bild des Ortes als «Zauberberg». Auch Ernst Ludwig Kirchner, Arthur Conan Doyle und Robert Louis Stevenson fanden hier Inspiration. Das Kirchner Museum und zahlreiche Galerien erinnern heute an diese Zeit.
Die Davoser Revue
Seit 1925 begleitet die «Davoser Revue» das kulturelle Leben. Jules Ferdmann gründete sie als «Anti-Zauberberg», um ein differenziertes Bild des Ortes zu zeichnen und eine Brücke zwischen Einheimischen und Gästen zu schlagen. Das Periodikum erscheint bis heute viermal jährlich und gilt als wichtige historische Quelle.
Die Davoser Blätter: Chronik der Kurgäste
Ab 1872 erschienen die «Davoser Blätter» als wöchentliche Unterhaltungszeitung für die Kurgäste. Der deutsche Buchhändler M. H. Wirth begründete das Blatt, das zunächst satirische Karikaturen des «Who is who» der Gäste zeigte. 1881 übernahm Hugo Richter die Zeitung und druckte sie in seiner eigenen Buchdruckerei. Aufgrund von Beanstandungen mussten die Karikaturen später entfallen, dafür gewannen die vielbeachteten Gästelisten an Raum. Die Zeitung erschien später auch auf Englisch («The Davos Courier», 1888), Französisch («Le courier de Davos», 1898) und Russisch («Evropejikie Kurorty», 1909/10), bevor sie an den Verkehrsverein überging.
Pionier des alpinen Wintersports
Davos gilt als Wiege des modernen Wintersports. 1883 fand das erste Internationale Schlittelrennen statt; der Davoser Schlitten wurde weltweit populär. Die Brüder Tobias und Johann Branger brachten sich 1889 das Skifahren bei und inspirierten Arthur Conan Doyle zu einem Essay, das die bis heute andauernde Begeisterung der Briten für den Skisport entfachte. 1895 entdeckten englische Touristen zufällig die legendäre Abfahrt nach Küblis, die 1924 zum ersten Parsenn-Derby führte – das traditionsreichste Skirennen der Schweiz.
Vom ersten Bügellift zum Spengler Cup
Im Dezember 1934 ging am Bolgen der weltweit erste Bügelskilift in Betrieb. Der Eishockey Club Davos (HCD), 1921 gegründet, veranstaltet seit 1923 den Spengler Cup, das älteste internationale Eishockey-Turnier. Die Natureisbahn im Zentrum gehört zu den grössten Europas. Seit 1972 finden zudem die Davos Nordic statt, die seit 1980 zum Langlauf-Weltcup zählen.
Medizinische Tradition und moderne Forschung
Die Hochgebirgsklinik Davos in Wolfgang wurde 1898 als «Deutsche Heilstätte» gegründet und ist heute die grösste Rehabilitationsklinik Graubündens. Sie spezialisiert sich auf Kardiologie, Pneumologie und Allergologie; die Höhenlage von 1600 Metern bietet eine nahezu allergen- und keimarme Umgebung. Nach einer Insolvenz 2013 übernahm Klaus-Michael Kühne die Liegenschaften und entwickelte den Medizin Campus Davos mit Forschungseinrichtungen wie dem SIAF und dem CK-CARE.
Globaler Dialogort
Seit 1971 trägt das World Economic Forum (WEF) zur internationalen Bekanntheit bei. Jährlich treffen sich im Januar Delegierte aus über 100 Regierungen, globalen Unternehmen und der Zivilgesellschaft zum «Spirit of Davos». Das Forum fördert nachhaltiges Wachstum und intersektorale Zusammenarbeit. Davos vereint somit 160 Jahre Wintertourismus-Geschichte mit globaler Gegenwart und bietet mit dem Kultur-Event-Programm sowie dem Museumsangebot ein vielfältiges kulturelles Leben.